Wackelstein und Whisky

Dieses Mal führt mich mein Job ins Waldviertel. Alle Nicht-Österreicher werden sich verwundert fragen, wo sich die Gegend befindet – ganz einfach oberhalb von Wien, was uns auch gleich zum Slogan des Waldviertel-Tourismus bringt: „Wo wir sind, ist oben“. Das Waldviertel war lange Zeit ein wirtschaftliches Sorgenkind, versteht es aber seit ein paar Jahren geschickt, seine Vorzüge zu präsentieren. Die sind Stille, Natur, Einsamkeit und Kulinarik.

Die erste Station: Weitra (das ist wirklich ganz und gar oben, direkt an der Grenze) und unsere Unterkunft das Brauhotel Weitra. Es liegt direkt am Stadtplatz und ist ein ehemaliges Hofbräuhaus aus dem 16. Jahrhundert ist. Wir speisen dort auch und mich macht die Aussicht auf ein Biermenü etwas unrund. Gestartet wird dann auch gleich mit einem Biersekt und bitte nicht böse sein, aber dass Getränk ist irgendwie brrr. Das darauf folgende Essen ist dann aber ganz und gar wunderbar und ich kann mich dann tatsächlich für ein warmes Bier (erhitzt mit einem Schürhaken) erwärmen.

Am Morgen ist es empfindlich kalt und ich überwinde mich zu einem kleinen Rundgang in der Stadt. Und die ist wirklich bezaubernd. Mittelalterlich, verschlungen und romantisch und überall gibt es kleine nette Shops mit Spezialitäten. Am Vormittag warten die berühmten Wackelsteine auf uns. Für alle, denen der Begriff nichts sagt, direkt von Wikipedia zitiert:

„Als Wackelsteine oder Schaukelsteine werden durch Ablagerung oder Verwitterung entstandene Phänomene bei Felsblöcken bezeichnet, die leicht beweglich auf ihrer Unterlage balancieren. Sie bilden sich bevorzugt aus granitischem Aufschlussgestein als Späterscheinung der Wollsackverwitterung, seltener aus horizontal gebankten Sedimentgesteinen. Für alle esoterischeren Menschen gelten sie als mythische Kraftplätze mit verschlungenen Bedeutungen.“ Ich finde sie einfach recht hübsch und die Landschaft in der sie sich befinden einfach atemberaubend.

Wie der Name ja schon sagt, besteht sie aus viel Wald, viele Hügeln und ganz vielen kleinen Bächen. Aber das beschreibt die Atmosphäre nicht. Es ist einfach unheimlich friedlich und entschleunigt hier. Fast erwartet man, dass in der nächsten Minute das Lebkuchenhaus aus dem Märchen zwischen den Bäumen auftaucht und es gibt auch durchaus vernünftige Leute, die schwören schon den einen oder anderen Kobold hier gesehen zu haben.

Die nächste Station ist schon angepeilt und verspricht kulinarisch wieder ein Highlight zu werden: das Mohndorf Armschlag. Hier wird schon quasi seit der Steinzeit der berühmte Waldviertler Graumohn angebaut, unterbrochen von einigen Jahrzehnten, in denen sich es wirtschaftlich nicht gerechnet hat, aber jetzt seit etwa 20 Jahren wieder. Geboten wird ein Mohnstrudelweg, über den ich nix sagen kann, weil ich den verweigert habe, ein großer Shop mit allem möglichen rund um das Thema und das Wichtigste: der Mohnwirt Neuwiesinger. Hier speise ich einen Karpfen in Mohnkruste und danach ganz unvermeidlich Mohnnudeln. Übrigens es gibt über das Jahr verteilt verschiedene Mohnfeste und für alle die es noch nicht gewusst haben: der Schlafmohn blüht rot und weiß.

Pappsatt und glücklich geht es weiter, nicht ohne vorher noch weißen Mohn (der kommt nicht aus den weißen Blüten, sondern ist eine seltene Sorte) und Mohnöl gekauft zu haben. Es trifft sich ganz hervorragend, dass unser nächster Besuch der 1. Österreichischen Whiskybrennerei gilt. Deren Entstehung ist spannend. Mit dem EU Beitritt Österreichs wurde es für den landwirtschaftlichen Betrieb langsam wirtschaftlich eng und der kreative Johann Haider kam 1995 auf die geniale Idee aus den vorhandenen Rohstoffen Whisky herzustellen. Drei Jahre später war es dann soweit und seitdem wird immer wieder erweitert und ausgebaut. Inzwischen ist es tatsächlich eine Erlebniswelt mit keltischen Baumkreis, Druidenspielplatz und einem Caféhaus. Ein netter Film erklärt die Herstellung und eine ebenso nette Dame führt die Verkostung durch. Ich kann nur sagen, kein Wunder, dass der Whisky internationale Preise abräumt. Mein Favorit ist der Special Pure Rye Malt Nougat J.H. aus 100 Prozent Roggen bestehend – also quasi eigentlich wahnsinnig gesund und eignet sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk.

Die letzte Station ist die Amethystwelt Maissau – dem größten freigelegten Amethystvorkommen weltweit. Das wirklich coole ist aber, dass man selbst ein bisschen nach Amethysten graben darf, primär eigentlich für Kinder gedacht, was mich nicht zurückhält. Während andere begeistert ihre Beute vorzeigen muss ich mit leeren aber schmutzigen Händen von dannen ziehen, als Trost bekomme ich einen kleinen Amethyst geschenkt. Auch hier ist wieder ein Kraftplatz angezeigt und wir bekommen eine Wünschelrute in die Hand gedruckt. Abergläubisches Zeug denke ich mir, aber blöderweise bewegt sich das Teil doch in meiner Hand: Wasserader – ein Amethyst wäre mir lieber gewesen…

Gast Bloggerin ist: Gerlinde Seebacher, 36, PR Expertin unter anderem für Tourismus, Heimatort Wien, Interessen: Reisen, Kochen, Renovieren & Lesen.

Photo Credits: 1) (c) Waldviertel Tourismus_Robert Herbst; 2) (c) Waldviertel Tourismus_Reinhard Mandl

 

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