Noch stressgeplagt oder schon ausgebrannt?

Von admin | 10:16

Seit 15 Jahren geistert das Thema Burn-out in regelmäßigen Abständen durch den medialen Blätterwald. Inzwischen hat sich um das Phänomen ein ganzer Wirtschaftszweig von Beratern, Reha-Kliniken und Ratgeberliteratur gebildet. Fast scheint es so zu sein, als wäre man nicht wirklich unersetzlich in seinem Job, wenn man nicht von einem knapp verhinderten Burn-out berichten kann. Das gilt von der Hausfrau bis hin zum Topmanager.

Das Wichtige dabei ist das „Knapp daran vorbei“, denn haben will die Erkrankung keiner. Hierzu ein schönes Zitat von Robert Lembke: „Kein Mensch ist so beschäftigt, dass er nicht die Zeit hat überall zu erzählen, wie beschäftigt er ist.“ Und in Wirklichkeit ist auch nicht jeder dafür prädestiniert, am Burn-out-Syndrom  zu erkranken.

Ausgebrannt sein kann nur jemand, der einmal für Etwas gebrannt hat, der sich idealistisch in ein Projekt geworfen hat und alles dafür gegeben hat, es voranzutreiben. Jeder Human Resource Manager wird bestätigen, dass dies bei den wenigsten Mitarbeitern der Fall ist. Prinzipiell gibt es verschiedene Ansätze um das Burn-out-Syndrom zu diagnostizieren. Ein sehr guter ist der nach Herbert Freudenberger, der zwölf Stufen definiert, die aber nicht zwangsweise in der nachstehenden Reihenfolge auftreten müssen:

  • Der Drang, sich selbst und anderen Etwas beweisen zu wollen
  • Extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen zu erfüllen
  • Überarbeitung mit Vernachlässigung anderer persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte
  • Überspielen oder Übergehen der inneren Probleme und Konflikte
  • Zweifel am eigenen Wertesystem und ehemals wichtigen Dingen, wie Hobbys und Freunden
  • Verleugnung entstehender Probleme, zunehmende Intoleranz und Geringschätzung anderer
  • Rückzug und Vermeidung sozialer Kontakte auf ein Minimum
  • Offensichtliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit
  • Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen, das Leben verläuft zunehmend „mechanisch“
  • Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gefühle durch Überreaktionen zu überspielen. Dazu gehören die Bereiche Sexualität, Essgewohnheiten, Alkohol und Drogen
  • Depression mit Symptomen wie Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit
  • Erste Selbstmordgedanken als Ausweg aus der Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs.

Ein verbreitetes Erklärungsmodell für Burn-out ist die Diskrepanz zwischen Anforderung und Ressourcen; sprich zwischen dem Arbeitsumfang im Vergleich zur verfügbaren Zeit. Dies würde auch erklären, warum das Syndrom von Jahr zu Jahr mehr um sich greift.

 

Denn, dass immer mehr Aufgaben von immer weniger Menschen erledigt werden, das negiert heute wohl kaum jemand mehr. Inzwischen bekennen sich auch zahlreiche prominente Manager zu der Problematik und nehmen sich eine Auszeit, die mehrere Wochen bis Monate dauert. Das ist natürlich grundsätzlich positiv, weil damit die allgemeine Akzeptanz für das Thema größer wird. Allerdings zeigt es auch, dass selbst Menschen, die genug verdienen, um den Stress kompensieren zu können, doch an Burn-out erkranken können. Schwierig wird es für Arbeitnehmer, die es sich nicht leisten können monatelang auszufallen ohne dadurch ihren Job zu verlieren, solche die gerade so für sich und ihre Familie über die Runden kommen und deren Ausbildung einen Berufswechsel nicht möglich machen.

Daher ist das einzig wahre Mittel gegen Burn-out, sofort zum Arzt zugehen und sich untersuchen zulassen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Möglichkeiten die Erkrankung zu überwinden und mit einigen kleinen Veränderungen in der Verhaltensweise oder dem Lebensstil glimpflich davonzukommen. Wichtigster Therapieansatz ist es, wieder Gleichgewicht zwischen Anforderungen und Leistungsfähigkeit zu erlangen.

Und zum Schluss noch eine Anleitung für alle „Möchtegern Burnoutler“.

Photo credits: 1) SSPIVAK
 
Gast Bloggerin ist: Gerlinde Seebacher, 36, PR Expertin unter anderem für Tourismus, Heimatort Wien, Interessen: Reisen, Kochen, Renovieren & Lesen.
 

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