Schlaflos in Berlin, Wien oder Zürich?

Von admin | 09:40

Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt, schlupf unter die Deck‘. Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt.

Ja, dieses Schlaflied ist ein echtes deutschsprachiges Kulturgut – wobei die letzte Zeile etwas grausig ist. Haben wir als Kleinkinder noch tapfer gegen den Schlaf gekämpft, ist er heute als Erwachsener für viele ein schwer zu erlangender Zustand. Insomnie oder auch Schlafstörung sucht jeden fünften Europäer heim.

Ob wir eine Schlafstörung haben, das sagt uns die WHO:

  • Wenn Einschlafstörungen oder eine schlechte Schlafqualität vorliegen.
  • Wenn die Schlafstörungen wenigstens drei Mal pro Woche und mindestens einen Monat lang auftreten.
  • Wenn sich der Patient nachts überwiegend mit der Schlafstörung beschäftigt und sich auch tagsüber hauptsächlich um mögliche negative Konsequenzen der gestörten Nachtruhe sorgt.
  • Wenn die unbefriedigende Schlafdauer und/oder Schlafqualität entweder einen deutlichen Leidensdruck verursacht oder sich störend auf die soziale und berufliche Leistungsfähigkeit auswirkt.

Gründe dafür gibt es jede Menge. Einfach ist es, äußere Ursachen für die Schlafstörung zu identifizieren: Lärm, Lichteinwirkung, stickige Schlafzimmer, Nebenwirkung von Medikamenten, schlechte Matratze, Reizüberflutung, Schichtarbeit oder Jetlag. Diese Faktoren lassen sich auch bis zu einem gewissen Grad verbessern.

Rein körperliche Ursachen wie Schwangerschaft, Restless Legs Syndrom oder rheumatische Arthritis sind für rund 35 Prozent der Fälle verantwortlich. Richtig kompliziert sind aber die versteckten, inneren Ursachen. Da können Depression, Stress oder Suchtmittelmissbrauch uns um den Schlaf bringen. Auch das Alter kann dazu beitragen, dass wir schlechter oder weniger schlafen. Die scherzhaft bezeichnete „senile Bettflucht“, also eine Abnahme des Schlafbedürfnisses im Alter, ist leider kein Mythos.

Um die Sache aber noch komplizierter zu machen, unterscheiden Experten 88 verschiedene Schlafstörungen. Zur Diagnose braucht es also einen Spezialisten. Bei Verdacht auf Schlafstörungen sollte man auf alle Fälle einen Neurologen aufsuchen statt das Thema zu verharmlosen. Denn Insomnie kann durchaus ein Anzeichen für eine schwerere Erkrankung sein. Literatur dazu gibt es jedenfalls auch: „Was Sie schon immer über Schlaf wissen wollten“ von Bernd und Gerda Saletu. 

Aber auch, wenn Schlafschwierigkeiten keinen ernsten Hintergrund haben – ab und an erwischt es jeden von uns einmal: Schäfchen zählen, Baldrian oder gleich eine Tablette – was wirkt? Hier betreten wir ein ganz weites Feld. Ich persönlich finde ja feste Rituale am Abend ganz hilfreich und vor allem versuche ich, mir vor dem Schlafengehen allzu grausliche Bücher oder Filme vom Leib zu halten.

Für pragmatische, sportliche Menschen eignen sich diese Tipps: Abends noch Sport betreiben oder einen längeren Spaziergang machen, nicht direkt vor dem Schlafengehen etwas essen, Schlafzimmer unter 18 Grad und gut gelüftet halten. Interessant ist auch der Tipp, eine Nacht gar nicht zu schlafen und am nächsten Tag zu versuchen gegen 22 Uhr abends ins Bett zu gehen…aber, ob man das wirklich schaffen kann?

Einen anderen Zugang haben die Naturmediziner. Natürlich darf hier der Baldrian nicht fehlen – meiner persönlichen Erfahrung nach, war jedoch die bisher einzige Wirkung, dass mein Kater danach süchtig wurde und völlig auf einen Baldriantrip kam. Aber auch Datteln finden eine lobende Erwähnung, genauso wie Autogenes Training, Lavendeltropfen auf das Kopfkissen, ein Glas lauwarmes Wasser mit Honig und Essig (brrr) oder serotoninhaltige Nahrungsmittel wie Kartoffel, Nüsse, Bananen oder Vollkornbrot sollen helfen.

Für Logiker: Ein Einschlaftagebuch in dem Schlafens- & Aufwachzeiten, Tagesform, Ereignisse des Tages sowie Dauer und Qualität aufgezeichnet werden, hilft bei der Ursachenforschung. Noch nicht ausreichend behandelt ist das Thema Medikamente. Wir sind ja alle ein bisschen faul und wenn es viel einfacher ist, eine Tablette zu nehmen, als Gewohnheiten zu ändern, dann greifen die meisten von uns gerne zur Tablettenschachtel.

Aber eines sollte einem dabei schon bewusst sein. Ein Schlafmittel sorgt zwar dafür, dass wir schlafen (also im Idealfall sollte es das) aber es sorgt nicht für einen natürlichen Schlaf. Ja, schlimmer noch, es stört den Schlafverlauf, bringt die verschiedenen Schlaf- und Traumphasen durcheinander und nebenbei ist der „medikamentöse“ Schlaf auch nicht erholsam. Vom Missbrauch, der leicht entstehen kann,  will ich erst gar nicht sprechen. Ich verweise nur auf Elvis und Eminem.

Eines sollte man aber auf alle Fälle beherzigen. Finger weg von der Selbstmedikation. Ärzte oder Apotheker haben nicht umsonst jahrelang studiert. Zum Schluss noch die Schafe. Lauter kleine „Shaun the sheeps“, die lässig über ein Gatter hüpfen. Wenn gar nix wirkt, hier sind Schaf-Schlaf-Videos zu finden.

Photo Credits: 1) porah, 2) kuvapankki
Gast Bloggerin ist: Gerlinde Seebacher, 36, PR Expertin unter anderem für Tourismus, Heimatort Wien, Interessen: Reisen, Kochen, Renovieren & Lesen.
 

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